Chronik – Kirche Schöneberg

 

kirche_schoeneberg_chronik_1150 Jahre Auferstehungskirche Schöneberg in Wort und Bild

Das Jahr 1854 war ein Schicksalsjahr für die ev. Gemeinde in Schöneberg. Am 23.Mai 1854 ging ein Feuerruf durch den kleinen Ort an der Wied. Aus der Kirche, die einst Pfarrkirche des Ortes und in der unmittelbaren Nachbarschaft eines saynischen Jagdschlosses stand, erklang ein lautes Feuerläuten. Doch schon bald musste die Kirche das Läuten einstellen, da sie, wie die Häuser der Umgebung, selbst in Flammen stand und die gewaltigen Glocken stürzten polternd und klirrend zu Boden. Die Männer des Dorfes waren zu diesem Zeitpunkt nicht zu Hause. Es war „Steimler Viehmarkt“ und hier musste man sein, wenn man das Neueste aus der Umgebung erfahren wollte.Hier wurde gehandelt, hier wurde eingekauft.

Es war ein reges Treiben. In diese Stimmung platzte die Meldung vom großen Brandunglück in Schöneberg. Schon jagten die Männer mit ihren Gespannen nach Hause. Doch jede Hilfe kam zu spät. 19 Gebäude ( 50 % des Dorfes ) und die Kirche waren niedergebrannt.2015

Die Nächstenhilfe im Ort war enorm. Zum Glück hatte man das Vieh retten können. Auch die Nachbargemeinden Neiterschen, Fluterschen und Kahlhardt nahmen Hilfsbedürftige auf.

Pfarrer Müller und seine Familie kam zwischenzeitlich im Pfarrhaus in Almersbach unter, bis in Neiterschen ein leerstehendes altes Haus zum Pfarrhaus umfunktioniert wurde. Im Jahre 1855 konnte Pfarrer Müller in ein neues Haus in Schöneberg einziehen. Hier starb er am 6. April 1856 und wurde neben der Kirche bestattet. Sein Nachfolger wurde August Franz der im Jahr 1858 ins neue Pfarrhaus einziehen konnte. Die Gottesdienste fanden bis auf weiteres im Freien statt. Um dem grobsten Wetter Stand halten zu können, wurde das Kirchenschiff als Notkirche umfunktioniert.

Pfarrer Franz unternahm so manche Kollektenreise, um Geld für den Bau einer neuen Kirche zu beschaffen.Auch die Männer des Presbyteriums wurden hierzu dienstverpflichtet. Die weitesten Reisen ging bis zum Niederrhein und nach Linz.

So wurde durch die Hilfe vieler in der Heimat und in der Fremde Taler für Taler gesammelt, bis der Baufond so groß war, dass man den Neubau der Kirchen wagen konnte.

Am 25. Mai 1864 wurde der Grundstein für den Neubau der Kirche gelegt. Eine große Festgemeinde hatte sich bei der Ruine eingefunden, um Zeuge des Wiederbeginns zu sein. In der Apsismauer, der Kirchenachse, wurde der Grundstein, der in einem Glaszylinder eine auf Pergament geschriebene Urkunde enthält, gelegt.

Die Urkunde beinhaltet folgenden Text:

Im Jahre des Heils Eintausend Achtundert Sechzig und Vier, am 25. Mai, im vierten Jahr der Regierung Sr. Majestät Königs Wilhelm I von Preußen, als der wirkliche Geheime Rath Freiherr von Pommern-Esche Oberpräsident, Herr Heinrich Eberts Generalsuperintendent der Rheinprovinz war, Herr Johannes Brauneck das Amt des Superintendent der Kreissynode Altenkirchen und Herr August Franz das Pfarramt der hiesigen Gemeinde Schöneberg verwaltete ist der Grundstein zu diesem Neubau der evangelischen Pfarrkirche unter den üblichen Feierlichkeiten gelegt worden.

Gerade ein Jahrzent nach dem großen Brand, der mit dem größten Theile des Dorfes und der Kirche zerstört hat, begeht heute die Gemeinde die Feier mit heißem Danke gegen Gott, der ihr nach zehnjähriger armseligen Notbehelf für ihren Gottesdienst diesen Tag geschenkt hat, dazu in den Stand gesetzt durch die Liebe der Glaubensghenossen, welche durch Collekten und Liebesgaben die Mittel zum Neubau dargeboten haben.

Der Plan zu diesem Kirchenbau mit einer Anschlagsumme von 7.700 Thalern hat der Herr Baumeister Hermann Vogeler von Paderborn entworfen, ausführender Maister ist der Maurermeister Herr Josef Lenz von Bendorf.

Erbaut zur Uebung des ev. Glaubens befehlen wir dieses Gotteshaus den gnädigen Schutz und Schirm des Allerhöchsten. Er lasse dasselbe zur Förderung seines Reiches bis zu undenklichen Zeiten dauern und bestehen um unseres hochgelobten Herrn und Heillandes Jesu Christi Willen ! Amen !

Zu Urkund dieser Grundsteinlegung handschriftlich vollzogen von den an dieser Feier beteiligten Behörden und Pfarrern, sowie dem Presbyterium der gemeinde Schöneberg wie vor gemeldet am 25. Mai 1864.“

kirche_schoeneberg_chronik_2Nun konnten die Mauern wachsen Schiff und Turm Gestalt annehmen. Manche Fuhre mussten die Schöneberger anspannen, damit die Arbeit voran ging. Das Gestöhne und Geschimpfe über die Hand und Spanndienste war groß.

Doch Pfarrer Franz hatte andere Sorgen.

Er fand heraus, daß mit ungenügender Sorgfalt gewerket wurde und vor allem das Fundament der Kirchturmes nicht fachgerecht angelegt worden war. Er äußerte Bedenken gegen über dem Bauleiter und der zuständigen Behörde. Das Presbyterium stellt sich auf seine Seite, doch die Anmerkungen wurden in Koblenz als Queruleien abgetan und beiseite gelegt.

So ging das neue Gotteshaus nach 1 ½ Bauzeit seiner Vollendung entgegen.

Am 20 Oktober 1865 konnte die neue Kirche durch Komistorialrat Korten und Superintendent Brauneck aus Almersbach feierlich eingeweiht und der Gemeinde übergeben werden.

kirche_schoeneberg_chronik_3[Eine im Pfarrarchiv noch vorhandenen Lageskizze aus dem Jahre 1861 zeigt, daß die alte Kapelle etwa dort gestanden hat, wo heute das Denkmal für die in beiden Weltkriegen gefallenen Gemeindemitglieder befindet.]

Sehr schnell zeigten sich Schäden am Turm und die Einwendungen von Pfarrer Franz, die zuvor als Queruleien abgetan wurden, stellten sich als berechtigt heraus.

Noch keine 8 Jahre stand die Kirche, als am 19. März 1873 die Königlich Preußische Regierung zu Koblenz einen binnen 6 Wochen esrtellten Bericht über die Schäden anforderte.

Superintendent Brauneck berichtete davon, dass die Schäden sehr bedenklich seien und die Polizeibehörde von Flammersfeld sah sich gezwungen wegen akuter Einsturzgefahr des Turms die Schließung der Kirche zu beantragen und den Turm abzutragen. Dies geschah im Jahre 1874. Am 16 August des gleichen Jahres beschloß die Gemeindevertretung den Bau eines neuen Turms.

Doch noch über dreißig Jahre hatte Schöneberg eine Kirche ohne Turm. Endlich im Jahre 1906 konnte mit der Anlage des neuen Turm-Fundaments begonnen werden. 1908 wurde der Turm vollendet. Sein Bau hatte länger gedauert, als 40 Jahre zuvor der Bau der gesamten Kirche und hatte mindestens genauso viel gekostet.

Seit 1908 steht die Kirche nun in ihrer heutigen Gestalt. Mancherlei wurde im Laufe der Jahre an ihr geändert, verbessert und ergänzt.

1954 Einbau einer elektronischen Glocken-Läuteanlage. Trockenlegung der Westwand und Erweiterung der Orgelempore.

1955 Ausmalung des Kirchen – Inneren in hellen, lichten Farben unter Leitung des Kirchenmalers Schönhagen.

1957 Erneuerung des Altarraumes.

Im Jahre 1959 wurde die Orgel durch eine großzügige Stiftung der Pfarrerwitwe Clara Mauritz renoviert.

1959/1960 Neubau des Kirchendaches, sowie ein neuer Außenputz des gesamten Gebäudes.

1963 konnte ein neues Taufbecken aus Eichenfunier angeschafft werden.

Die Heizungsanlage wurde 1969 durch eine Warmluft Fussbodenheizung verbessert.

Von 1968 – 1971 wurde die Kirche im Inneren renoviert. Die Kirchenbänke wurden entfernt und neue Stühle angeschafft. Ein neuer Altar wurde gemauert. Aus Bronze-Guss ließ man ein neues Taufbecken und Kerzenleuchter, sowie ein Hängekreuz anfertigen. Die Kanzel erstrahlte im neuen Glanz.

1970 war es Karl Georg aus Neitersen, der der Kirchengemeinde in Schöneberg eine neue Orgel ( Oberlinger Orgel ) stiftete. Sie nahm ab jetzt auf der rechten Seite der Empore Ihren Platz ein.

Im März 1977 wurde das rechte und linke Chorfenster neu eingebaut.

Das linke Fenster in den hellen Farben blau, weiß und grau-braun voilet steht für:

Gott ( blaue Säule ) für in Mitten der Welt, ebenso direkt wie verzahnt. Die Erdfarben zeigen das Irdische an. Er sendet sein Licht hinein. Eine Aussage zu Weihnachten.

Das rechte Fenster durch die Farbsymbolik rot – die Farbe der Liebe, des Feuers, der Aktivität. Eine Aussage zu Pfingsten.

Das mittlere Fenster stellt die Auferstehung Christi dar. Hier finden wir alle Farben, die in den Seitenfenstern konzentriert vorhanden sind , wieder.

Im Sommer 1977 bekam die Kirche eine neue Kirchentür, verkleidet mit Kupfer und der Tügriff aus Bronze, ebenso wie ein Tympanorelief im Bogenfeld über der Tür. Darstellung zum Thema „ Verkündigung der Auferstehung Christi“ Der Entwurf stammt von Kurt Wolf von Borries, Bildhauer aus Köln. Zu sehen sind Frauen, die am geöffnetten Grab stehen bei den Engeln. Auf den Seitenfelder sieht man Blüten und Schmetterlinge, die ein altes Symbol für Auferstehung und Weiterleben darstellen.

1997 wurde eine neue Holzkanzel, Leuchter, Kerzenständer und Stehpult von Frank Seifen aus Oberirsen entworfen und gebaut.

2001 wurde die Kirche im Inneren neu angestrichen. Die Deckenmalereien blieben so belassen.

Im Jahre 2015 steht nun wieder eine größere Renovierung der Oberlinger Orgel an.

Das Jubiläum 150 Jahre Auferstehungskirche Schöneberg feiert die Kirchengemeinde mit einem Festgottesdienst am Pfingstsonntag 24. Mai 2015 ab 10.00 Uhr . Im Anschluss an den Gottesdienst finden den ganzen Tag Aktionen in und um die Kirche statt. Pfarrer i. R. Bernd Henrich macht Führungen zur Geschichte der Kirche.

In den vielen Jahrzehnten wurden viele gewöhnliche und außer gewöhnliche Gottesdienste gefeiert, so unter anderem eine Konfirmation 1945 Morgens um 7.00 Uhr.

Die erste Ordination war 1994. Ilme Willberg odiniert zur Predigthelferin.

Frau Wiebke Waltersdorf odinierte am 21. September 2002 zur Pfarrerin.

Pfarrer , die in den letzten 150 Jahren in der Kirchengemeinde tätig waren.

kirche_schoeneberg_chronik_41834-1856 – Theodor Emil Müller
1857-1870 – August Franz
1871-1878 – Heinrich Karl Keefer
1879-1905 – Friedrich Ernst Albrecht Müller
1906-1911 – Albrecht Müller
1911-1932 – Rudolf Mauritz
1932-1935 – Dr. phil. Ernst von Bracken
1935-1954 – Hans Enke
1954-1965 – Gottfried Schmidt
1965-1979 – Kurt Schmitz
1979-2010 – Bernd Henrich
ab 2011        Bernd Melchert

Andreas Haas , Neitersen

 

Bilder Erwin Katzwinkel 1965 alte Fotos
Bilder Saskia Haas Herbst 2014 neue Fotos

Quellennachweis:

Festschrift zur Hundertjahrfeier Auferstehungskirche Schöneberg 6. Juni 1965
Pfarrarchiv Schöneberg Heimatkalender Kreis Altenkirchen 1958
Staatsarchiv Koblenz Fürstl. Wiedisches Archiv Neuwied