Neujahrsempfang Schöneberg VG

Für die Teilnahme an einem Chorwettbewerb hat es (noch?) nicht gereicht, aber in Sachen „gemeinschaftlicher Wohlklang“ war es schon ausgesprochen gelungen, was sich beim Neujahrsempfang der Flüchtlingsarbeit in der Ev. Kirchengemeinde Schöneberg darstellte. Mehrsprachig und gewollt mehrstimmig zogen die Töne durchs proppenvolle Gemeindehaus der Kirchengemeinde, wo sich zum Jahresauftakt auf Initiative der
„UNO 57628“ = „Unsere neuen Nachbarn im Postleitzahlenbereich 57638“ Alteingesessene und vorwiegend syrische Neubürger trafen.

Wie es sich für einen Neujahrsempfang gehört, gab es dabei Kulturelles, allerlei Leckereien, Gesprochenes und  – weil es sprachlos so prima funktioniert – fröhliches Tanzen.Peter Dieck, Presbyter in Schöneberg, erinnerte in seiner Begrüßung der Gäste des Neujahrsempfangs – darunter auch  Gemeindepfarrer Bernd Melchert, Heinz Düber, Beigeordneter der Verbandsgemeinde Altenkirchen, und die beiden Ortsbürgermeister Jürgen Schneider (Schöneberg) und Horst Klein (Neitersen) –  an die Anfänge der Flüchtlings-Arbeit in Schöneberg vor rund einem Jahr. Seither gab es bereits drei große Kennenlern-Aktionen, aber auch viel Engagement zahlreicher Ehrenamtlicher in verschiedensten Bereichen der Willkommens-Kultur: Sprachpatenschaften, Hilfen bei Wohnungssuche und dem Beschaffen diverser lebensnotwendiger Dinge, die den Flüchtlingen (anfangs 17, derzeit knapp 30 syrischer Männer) das Einleben in der rund 400-Einwohner-Gemeinde erleichtern, sind nur Ausschnitte des Miteinanders.

Dass alleine das gemeinsame „Tee-Trinken“ und „Radebrechen“ sehr gemeinschaftsfördernd sein kann, unterstrichen die Aktiven. „Vieles ist schon gelungen, an mancher Stelle sind wir hingegen noch gefordert“, bilanzierte der Initiativen-Sprecher und lud weitere Akteure zum Mitmachen ein. Es helfen – so Dieck – auch die „kleinen Dinge“ und gemeinschaftlich ließe sich vieles stemmen. So fehlten derzeit gerade Kleinmöbel und im Sportsektor könnten sich Interessierte zu Fußballspielen, Schwimmen oder Schach zusammenfinden. Viele Dankesworte gab es beim Neujahrsempfang von offizieller Seite für das Engagement aller Beteiligten.

Insbesondere aber auch dafür, was zu dem fröhlichen Miteinanders des Abends zusammengetragen wurde. Eine reiche Vielfalt der deutschen und syrischen Küche füllte einen opulenten Büffet-Tisch und bot so allen Gästen die Chance sich auch „geschmacklich“ kennenzulernen und zu bereichern. Ihrer Freude, in Schöneberg so freundlich aufgenommen worden zu sein, machten die jungen Syrer auch kulinarisch kund:

Leckere Torten des Buffets hatten sie dazu eigens mit „Vielen Dank Deutschland“ verziert. Und weil es ja alle lesen können sollten, standen die Dankesworte auf einer in Deutsch, in Arabisch auf einer zweiten. Damit jenseits aller Sprachbarrieren der Neujahrsempfang für alle „verstehbar“ war, übersetzte Michelle Römer (Mehren) charmant und schnell die jeweiligen Beiträge. So wurden Goethes „Zauberlehrling“ in Rap-Version, Erinnerungen an einen einem syrischen Arzt und Philosophen, der um 1200 wirkte und bis ins Heutige  geschätzt wird, ebenso kulturverbindend wie der gemeinsame Gesang an mehreren Stellen des Programms.  Was ist eigentlich Karneval und was treiben die „närrischen“ Deutschen in dieser Zeit?

Ein  Bildvortag half hier den Neubürgern zu erhellenden Erst-Erkenntnissen, bot aber – rechtzeitig vor dem Start in die fünfte Jahreszeit – allen anderen vertiefte Einblicke in eine ganz besondere kulturelle Eigenart. Geschockt von den Kölner Ereignissen in der Silvesternacht zeigten sich an anderer Stelle des Neujahrsempfangs die syrischen Flüchtlinge und distanzierten sich vehement von solchen Angriffen: „Unsere Erziehung verbietet solches Verhalten“ unterstrichen sie. Wer Lust hat sich in die Arbeit der Flüchtlingshilfe einzubringen, Ideen und Anregungen hat, Wohnungsangebote hat, oder sich informieren möchte – kann dies unter

http://www.uno-57638.schoeneberg-westerwald.de/ tun. Die Schöneberger Initiative ist im Austausch mit den Nachbargemeinden, die in den nächsten Wochen Flüchtlinge erwarten und ähnliche Hilfen entwickeln wollen.